Ausstellung / Carla Bobadilla 11/18
Als ich an die Angewandte kam, um mein Doktorat zu machen, stellte ich fest, dass meine Kollegen keine Ahnung von all dem hatten, was ich [an der Universität von Playa Ancha in Valparaíso an Post-Strukturalismus] gelesen hatte. […] Ich war sehr enttäuscht, als ich verstand, dass ich gekommen war, um ein Doktorat an einem Ort zu machen, der nicht das intellektuelle Niveau hatte, das ich wollte. Das war die größte Enttäuschung – hier in Wien sein zu müssen. In diesem Moment dachte ich daran, zum Studium nach Berlin zu gehen. Denn ich sagte quasi: „Ich muss an einen Ort gehen, der die intellektuelle Wendigkeit wie in Chile hat.“ Weil Wien: Pffff! Und in dem Augenblick, als Mutter, erkannte ich, dass die österreichischen Mütter nicht mit mir reden wollten. […] Ich rede mit jeder Person, und die österreichischen Mütter schauten mich so an und sprachen nicht mit mir. […] Diese Momente waren sehr schlimm, die Ablehnung zu fühlen, dass jemand sagt: „Wir sprechen nicht mit dir, weil du Ausländerin bist.“ Oder: „Wir sprechen nicht mit dir, weil du mit deiner Tochter in einer anderen Sprache sprichst.“ Oder: Wir werden dich nicht nachhause zum Spielen mit unseren Kindern einladen, weil du nicht zur österreichischen Gesellschaft gehörst.“
Also wirklich, das hat mich sehr getroffen, […] in eine Art Depression gestürzt, in dem Sinne, dass ich erstmals die echte Wirklichkeit sehen musste. Diese Wirklichkeit, die du sehen musst, wenn du in einen super-privilegierten Kreis nicht hineinkommst. Im Kindergarten […] sagten sie [meiner Tochter]: „Sie muss zuhause Deutsch sprechen.“ Sie trugen meiner Tochter auf, […] mir zu sagen, dass ich mit ihr Deutsch sprechen müsse. Das sagten sie ihr im Kindergarten und dann sagten sie es ihr in der Schule, die Kindergartentanten sagten ihr [und ihrer venezolanischen Freundin], sie dürften im Hof nicht Spanisch sprechen. Da stellte ich mich dem Kampf im Kindergarten und sagte: „Schauen wir mal! […] Die Zweisprachigkeit kann die Kinder nur stärken. Also will ich nie wieder hören, dass meine Tochter zuhause nicht Spanisch sprechen soll, denn das ist das Beste, was ich als Mutter für sie tun kann für ihre persönliche und emotionale Entwicklung.“
Jahrelang war es schwer, eine autonome wirtschaftliche Stabilität herzustellen. Aber als ich sie dann hatte, widmete ich mich auch gesellschaftlichen und politischen Projekten. Heute bin ich die Präsidentin der Vereinigung österreichischer Künstler_innen, IG Bildende Kunst.
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