Ausstellung / Gabriela Carmen Estevez Fuentes 13/15
[Meine erste Liebe hab’ ich beim Ferienspiel kennengelernt.] Er war Österreicher, ich war bei den Pfadfindern, ich war dann Pfadfinderführerin, hab’ mich um die Biber gekümmert […] und hab’ dann maturiert. Und dann hab’ ich begonnen, Medizin zu studieren. […] [Ich] hab’ dann das Studium abgebrochen. Das war… wie soll ich sagen… ein bisschen ein Cut in meinem Leben, weil ich nicht gewusst hab’: „Was mach’ ich jetzt?“ […] Und dann bin ich in die Lehrerakademie gegangen. [Und als] ich dann mit Medizin aufgehört hab’, das war so 1999, haben [mein Freund und ich] uns dann getrennt. […] Diese elf Jahre, die ich mit meinem Freund zusammen war, war ich ja sozusagen unter Anführungszeichen Österreicherin, weil… hab’ nur mit Österreicherinnen zu tun gehabt, ich hab’ außer Haus sozusagen nur Deutsch gesprochen und… also… Also, wenn ich mich jetzt nicht immer in den Spiegel geschaut hab’, war ich eigentlich von Gedanken her, von Träumen her, von allem, eigentlich Österreicherin. [Dass ich] dann wieder zu meinen Wurzeln intensiver gefunden habe […], das hat erst begonnen, wie ich 22 war. […] Während wir im Flüchtlingsheim waren, war ich auch in einer chilenischen Folklore-Gruppe, wo ich Cueca gelernt habe und alle möglichen traditionellen Tänze, chilenische Tänze gelernt habe. Da war ich mehrere Jahre. […] Und das war auch noch zusätzlich ein bisschen, sag’ ich jetzt einmal, wo ich meine chilenischen Wurzeln mitbekommen hab’ durch das Kulturelle. Und dann sind wir natürlich nach vier Jahren aus dem Flüchtlingsheim weg, da hab’ ich wie viele Jugendliche Fitness Center, Jazz Dance und solche Sachen gemacht. Und dann, wie ich so 21, 22 war, war ich bei einem Nationalfeiertagsfest und da hat Chile Lindo mit Kostüm Cueca getanzt. Da hab’ ich die angeschaut und hab’ mir gedacht: „Da möchte ich gerne mitmachen.“ Natürlich, da hab’ ich einige Leute mehr getroffen. […] Ich hab’ dann auch diese Salsa-Szene dadurch kennengelernt [und] hab’ dadurch auch [mit der] Latino-Community ein bisschen mehr Kontakt gehabt.
Ja, also da muss ich schon sagen: Ab meinem 22. Lebensjahr war dann […] dieser Umbruch […] Ich hab’ dann […] durch Zufall meinen Ex-Ehemann kennengelernt. Ja, ein Profitänzer aus Cuba. Wir waren 17 Jahre lang […] zusammen und daraus sind zwei Kinder [hervorgegangen]. Cuba mit Chile – da gibt’s auch eine eigene Verbindung interessanterweise politisch… […] Er hat ja damals nicht als Tänzer, sondern in einer Bar gearbeitet und… das war dann meine Aufgabe, ihn zu unterstützen, dass er Fuß fasst, dass er wieder als Tänzer hier arbeitet. […] [Später ging ich] aus Zufall auf ein Konzert, wo ein Chilene sang. Ein Chilene, der seit einigen Jahre hier war… und sang, mit Klavier. Und wunderbar, eine unglaubliche Stimme. Und ich dachte nach und sagte mir: „Ich liebe singen, ich liebe tanzen.“ Ich tanze ja immer noch, weil wir Chilenen tanzen immer noch zusammen am Nationalfeiertag. […] Ich unterrichtete auch eine Zeitlang die zweite Generation […] Cueca zu tanzen, mein Wissen an andere weiterzugeben in Workshops und… naja, immer tanzen halt. […] Und an diesem Tag höre ich das und sage mir: „Ich liebe es doch zu singen!“ Und ich hatte ja viele Jahre getanzt und […] so sage ich zu [dem chilenischen Sänger]: „Du kennst nicht zufällig einen Chor? Ich bin interessiert, vielleicht ein Latino-Chor?“ Und er sagt mir: „Ja, zufällig bin ich Leiter […] des Coro Euro-Latinoamericano.“ […] Und seit Jänner singe ich im Coro Euro-Latinoamericano und wir singen chilenische Lieder […], wir singen Lieder in der Mapuche-Sprache. Und es freut mich sehr, […] in dem Chor neue Kraft aus meinen chilenischen Wurzeln zu ziehen. […] Mein Weg ist jetzt mit dem Chor. Von neuem ruft mich Chile […], jetzt mit dem Gesang. Und immer stand war ich nahe am Tanz und am Gesang… immer… an Chile.
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