Ausstellung / Cecilia Alarcón Tobosquez 11/18

Ach ja, Macondo. Na, wir [hatten Glück]. Wir waren noch nicht dran mit einer Wohnung, aber es blieb eine unbesetzt und sie […] verlosten sie unter den fünf größten Familien und wir gewannen. Naja, ich weiß nicht, ob das ein guter oder ein schlechter Gewinn war, das kann man debattieren, denn Macondo verwandelte sich dann praktisch in ein Ghetto, nicht? Na, es hat sein Für und Wider. Damals, als wir nach Macondo kamen, waren wir alle eine Familie, dort kamen wir alle zusammen. Da gab es Leute aus Uruguay, aus Chile, aus Vietnam, auch aus anderen [Ländern]. Und wir kamen in dieses Macondo, das letztlich eine Kaserne aus der Zeit des [Ersten Welt-]Krieges war und in ein Flücht­lings­heim verwandelt wurde. […] Zuerst für die Un­garn, die [56] kamen und dann begannen Chilenen einzutreffen. Chilenen, Vietnamesen, Kambodschaner und alles. Für unsere Familie war es fantastisch, weil wir dort alle Spanisch sprechen konnten. Es war eine Familie […] und in den ersten Jahren war Macondo wirklich sehr schön, denn es gab ein Feld, es gab Tiere – bevor sie den Supermarkt Huma bauten.

Das heißt, es war wunderbar und für uns war es, als würden wir in eine Familie kommen, denn wir Jungen gingen am Nachmittag hinaus, trafen uns, spielten Gitar­re, sangen, waren gut aufgehoben. Wir waren gut aufgehoben, deshalb war Macondo sehr schön. […] Die, die im Zentrum wohnten, kamen am Wochenende zu uns, sie waren eingeladen, es wurde gegrillt, Feste und so weiter. Alles passierte in Macondo und so kamen alle nach Macondo, dann gingen sie wieder, aber wir blie­ben dort. Also war Macondo anfangs ein sehr schöner Lebensort für uns, aber andererseits war er nicht gut, weil wir alle Spanisch sprachen, also war die [sprach­liche] Integration ein bisschen schwer. Ich glaube, das war eigentlich ein Fehler, alle Leute zusammen zu brin­gen, denn aus heutiger Sicht glaube ich, es ist besser, die Leute voneinander zu trennen, damit sie die Sprache lernen und sich integrieren können. Aber, wie ich sagte: Es war sehr, sehr schön. Naja, wir hatten anfangs Probleme mit den Ungarn, aber dann nicht mehr.
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